Celebrate Diversity
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12. Mai 2017

Die Favoriten für das FINALE | #ESC2017


In wenigen Stunden beginnt das Finale des größten Musikwettbewerbs der Welt - des 62. Eurovision Song Contests. Tausende Menschen - darunter Künstler, Tänzer, Produzenten, Helfer, Techniker, Freiwillige - haben in den vergangenen Monaten auf diesen Abend hingearbeitet. Auf einen Abend, an dem fast ganz Europa zusammen kommt, singt, tanzt und feiert.

Ziel des Wettbewerbs ist es den besten Song zu finden, dazu gehört aber längst weitaus mehr als nur ein guter Song. Im letzten Jahr schaffte es Jamala mit ihrer bewegenden, aufarbeitenden Ballade Europa zu rühren. Wer schafft es in diesem Jahr? Die Hälfte der Punkte verteilt eine Fachjury in jedem Land, die andere Hälfte der Punkte wird durch das Televoting vergeben. Stimmt also für euren Favoriten ab, aber vergesst nicht: nicht für das eigene Land voten!

Das sind die TOP-FAVORITEN auf den ESC-Sieg:


Blanche / City Lights 
Belgien 

Belgien schickt uns in diesem Jahr einen der modernsten Songs - melancholisch, melodisch, urban wirkt der Song auf den Zuhörer. Die Stimme der erst 17 jährigen Blanche fesselt zudem, denn eine derart dunkle Stimme färbt das gesamte Arrangement in eine düstere Atmosphäre. 






Francesco Gabbani / Occidentali’s Karma
Italien 

Ein im ersten Moment sehr oberflächlich wirkender Song, der aber durchaus eine tiefgründige Message hat. Francesco singt über die Werte unserer westlichen Gesellschaften und wie wir es verlernt haben zur Ruhe zu kommen. Genau das soll der Gorilla, der neben Francesco so liebenswürdig tanzt: am Ende des Tages sind wir alle gleich und stammen vom Selben ab. Tolle Message, toller Song, toller Sänger!





Salvador Sobral / Amar Pelos Dois 
Portugal

Zwischen den ganzen Popsongs ist dieser Song eine wahrliche Abwechslung. Ganz leise Klänge, eine hauchzarte Stimme und ein Song über eine tiefgreifende Liebe. Außerdem ist der Song einer der wenigen, der nicht auf Englisch vorgetragen wird. Abgerundet wird das Ganze mit einer traumhaft schönen Bühneninszenierung, die meiner Meinung nach, einer der schönsten überhaupt ist. 





Robin Bengtsson / I Can't Go On
Schweden
  
Die Popschmiede Europas lässt sich auch in diesem Jahr nicht lumpen: astreiner Europop mit sympathischen Strahlemann und perfekt durchgeplanter Choreografie. Der Song hat definitiv Ohrwurmpotenzial und könnte, gut vorstellbar, auch in den Radios rauf und runter gespielt werden.





Lucie Jones / Never Give Up On You 
Vereinigtes Königreich 

 Ganz unscheinbar wirkte ihre klassische Ballade, aber spätestens seit dem ersten Halbfinale, als Lucie mit einer derart packenden Live-Performance überzeugte, gehört sie zu den absoluten Favoriten. Die wunderschöne Bühneninszenierung kommt ohne viel Pyrotechnik aus und wirkt wie aus einer anderen Dimension. Ebenso wie Lucies Gesang. Bravourös!




Weitere sehr interessante Beiträge, die je nachdem wie sie im richtigen Moment ankommen, auch gute Chancen haben in die TOP 5 zu kommen:
Kristian Kostov / Beautiful Mess (Bulgarien), Imri Ziv / I Feel Alive (Israel), Dihaj / Skeletons (Aserbaidschan), Ilinca & Alex / Yodel It! (Rumänien)


 Hier findet ihr alle Sendetermine rund um den ESC-Finalabend 2017: 
ethnokult.blogspot.de/2017/04/der-eurovision-song-contest-2017 
 

17. April 2017

Der ESC 2017 ohne Russland - Verlust oder richtige Entscheidung? | #ESC2017


Es ist eine schwarze Woche für die Vielfalt, die Musik und den eurovisionären Geist - Russland zog am Donnerstag seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2017 in Kiew offziell zurück. Fans und Experten haben bereits mit diesem Schritt gerechnet, für viele kam dieser endgültige Schritt aber dennoch überraschend.

Es war eine absehbare Lösung, im politisch angespannten Verhältnis zwischen der Ukraine und Russland. Nachdem Russland Julia Samoylova als seine Sängerin nominierte, die nach einem Auftritt auf der von Russland annektierten Halbinsel-Krim, von der Ukraine mit einem Einreiseverbot belegt worden war.

Verschiedene Lösungsansätze scheiterten, beispielsweise schlug die EBU vor, Samoylova via Satellit in die Live-Show zu übertragen, was die Produzenten der Show ablehnten. Auch lies sich der Kreml nicht davon überzeugen einen anderen Künstler zum diesjährigen Contest zu entsenden. Ebenso wenig wie die ukrainischen Verantwortlichen eine Ausnahme für die russische Sängerin machen wollten. Fest steht, dass Russlands Provokationsstrategie gegenüber der Ukraine damit vollends aufgegangen ist: nämlich die Ukraine als schlechten Gastgeber dastehen zu lassen. Dahingehend ist es die richtige Entscheidung, keinen russischen Beitrag zu sehen, wenn man sich nur aus Provokation und Missgunst am diesjährigen Contest beteiligen wollte.

Julia Samoylova

Andererseits entschloss sich Russland aber auch dazu den gesamten Contest nicht zu übertragen, was widerrum einer Veranstaltung, die für die Vielfalt menschlichen Lebens, Offenheit und Toleranz steht, schadet. Ganz besonders darunter leiden werden die Minderheiten innerhalb Russlands, für die der Contest immer eine Art "Rettungsring" in die Welt westlicher Werte darstellte.
Gerade in Russland ist zum Beispiel Homosexualität weitesgehend verpönt und wird gesellschaftlich abgelehnt. In manchen Teilen des Landes (zum Beispiel Tschetschenien) werden Homosexuelle sogar verfolgt und gefoltert. Und das in unserem Europa.

Natürlich sollte alles dafür getan werden, dass Russland sich nicht dem Weg der Türkei annimmt und sich vom Contest abwendet. Denn das widerspräche auch der eurovisionären Idee, mit der der Contest gegründet wurde: Liebe, Zusammenhalt und Offenheit.

3. April 2017

Die erste Feuerprobe - London Eurovision Party 2017 | #ESC2017


Gestern Abend kamen in London einige Länder zur ersten Eurovision Pre-Party zusammen. Die London Eurovision Party eröffnet traditionell den Reigen der Pre-Partys. Sie ist somit die erste Gelegenheit zu sehen bzw. zu hören, wie die Kandidaten gesanglich aufgestellt sind. Ebenfalls traditionell gibt es oft Unterschiede zwischen den Studio-Versionen der Songs und den Leistungen während der Live-Performance.

Besonders hervor stach Kristian Kostov mit seiner Ballade Beautiful Mess, mit der er Bulgarien in Kiew vertreten wird. Überraschend gefühlvoll und viel mitreißender als die Studio-Version. Manche Fans konnte er mit dieser Performance für sich gewinnen, zudem konnte er seinen Status als Favorit manifestieren.




1. Februar 2017

Celebrate Diversity - Erzwungene Toleranz? | #ESC2017


Endlich ist es raus, das Motto für den 62. Eurovision Song Contest 2017 in Kiew: CELEBRATE DIVERSITY (engl.: Vielfalt feiern). Gleichzeitig wurde das Theme Artwork released: rot-blaue Kugelornamente, die eine Halskette symbolisieren sollen. Derartige Halsketten sind ein beliebtes kulturell-chices Accessoire in der Ukraine und äußerst beliebt.
Beide Neuigkeiten sorgten gleichermaßen für Freude aber auch für viel Spott. Klar ist, dass es noch nie in der Geschichte ein derart polarisierendes Motto gab, was ein solch politisches bzw. gesellschaftliches Statement gibt. In dem Fall: Andersartigkeit ist wunderbar!

Quelle: esc.tv
"Die Ukraine liegt zwischen Ost und West, ist alt und neu, traditionell und modern - ein guter Platz, um Vielfalt zu feiern." Das sagte der Executive Supervisor Jan Ola Sand bei der Bekanntgabe des Mottos. Natürlich hat er recht, die Ukraine braucht den Contest wirtschaftlich und vielleicht auch gesellschaftlich so extrem, wie Pflanzen die Sonne zum wachsen brauchen. Aber ist ein derart polarisierendes Motto nicht zu viel für einen völkerverständigenden, internationalen Musikwettbewerb? Nein! Im 21. Jahrhundert wird es gerade in Zeiten von wachsendem Hass, Intoleranz und Rassismus Zeit für ein klares Statement.

Und auch könnte es mit der Ukraine keinen besseres Land geben, in dem man damit anfangen könnte. In dem überwiegend katholisch geprägten Land herrscht immer noch sehr viel Verunsicherung, was typische Diversity-Themen wie LGBT-Rechte, Religion oder Ethnien betrifft. Und auch die Nähe zu den wohl homophobsten Ländern Europas (Russland und Weißrussland) dürfte für viel gesellschaftlichen Diskussionsstoff sorgen.

Nun müssen die Verantwortlichen nur noch geschickt Musik und Vielfalt in der Show unter einen Hut bekommen, denn würde eines dieser Elemente zu kurz kommen, würde es enttäuschen. Wir dürfen gespannt sein und hoffen, dass insbesondere die musikalische Vielfalt noch aufholt (4/5 bisher bekannten Songs sind Balladen).

© Ethnokult und so.
Maira Gall