10. September 2016

Die Überraschung, die eigentlich keine war - KYIV 2017 | #ESC2017


Endlich ist es raus: Der Eurovision Song Contest 2017 wird in der ukrainischen Hauptstadt Kiew stattfinden. Das wurde gestern vom verantwortlichen Fernsehsender NTU nach einem monatelangen Auswahlprozess bekannt gegeben. Und dennoch tat man bis zum Schluss, als wäre diese Entscheidung eine Überraschung gewesen. Sie war es nicht, denn verfolgte man den Auswahlprozess mit etwas wirtschaftlichem und weniger ideologischem Denken, so stellte man schnell fest, dass keine Stadt außer Kiew den Anforderungen an das Megaevent ESC gerecht wird. Persönlich hätte ich mich mehr für Odessa (Südost-Ukraine) gefreut, aber um die hohen Standards, die der ESC mittlerweile hat, zu erfüllen, wäre Odessa mindestens einen Schritt rückwärts gewesen. Aber wieso wäre das schlimm? 

Nicht nur die Erwartungen der Fans werden von Jahr zu Jahr höher, auch der Fernsehzuschauer will gefesselt werden. Das Business entwickelt sich weiter, und das ist gut so. Windmaschinen, Trick-Kleider und Anstandskomik reichen schon lange nicht mehr aus, um zu bestehen. Natürlich würde das dem ESC nichts abtun, wenn es in einem Jahr mal nicht ganz spektakulär pompös vonstatten geht, aber auch ein ESC muss sich weiter entwickeln, um weiter bestehen zu können. 

Und natürlich möchte sich auch das Gastgeberland, die Ukraine, im besten Licht zeigen. Sicherlich wäre es für die einen eine Genugtuung Russland gegenüber gewesen, hätte der ESC so nah an der annektierten Halbinsel Krim stattgefunden. Aber vielmehr sollte die Ukraine den ESC dazu nutzen die Folgen des Krieges abzuschwächen. Die Wirtschaft und den Tourismus anzukurbeln und mehr Menschen ins Land locken. Dafür ist Kiew als weltoffene, kulturreiche Stadt die beste Wahl.

Bisher haben 28 Länder die Teilnahme am ESC 2017 bestätigt, darunter auch Portugal, was nach einer einjähirgen Pause zum Contest zurückkehrt. Bei vielen Balkan-Staaten wie Kroatien oder Bosnien & Herzegowina ist die Teilnahme indes noch ungewiss. Beide Länder haben Geldprobleme und werden die endgültige Entscheidung wohl auf Anfang nächsten Jahres vertagen. Auch der Kosovo soll zum ersten Mal zum Contest eingeladen wurden sein. Die Teilnahme des Kosovos dürfte aber vor allem in Serbien für große Diskussionen sorgen.

27. August 2016

Was wurde eigentlich aus Jamala? - Ein Sommer voll Euphorie | #Eurovision


Es sollte ihr Sommer werden. Jamala gewann im Mai den 61. Eurovision Song Contest in Stockholm für die Ukraine. Seitdem hat sich Jamalas Leben eigentlich kaum verändert, denn die ukrainische Sängerin war auch schon vor ihrem Triumph in Stockholm ein bekanntes Gesicht in ihrer Heimat.

Jamala, die voller Inbrunst und Wehmut für ihre Heimat, und vor allem von ihrer Vergangenheit, gesungen hat, hat den Song Contest clever genutzt. Für viele mag íhr Auftreten unbeholfen und schräg gewirkt haben, was nicht zuletzt an ihren weniger optimalen Englischkenntnissen lag. Doch eigentlich hat genau das dazu beigetragen, dass Jamala letztendlich eine derart großartige Leistung auf die Bühne zaubern konnte. Sie war anders als die anderen Künstler - und genauso war auch ihr Lied anders als die anderen Lieder. Anders berührend.


Nach ihrem Sieg wurde sie euphorisch in der Ukraine empfangen. Denn in der Ukraine kann man noch zum Nationalhelden werden, wenn man den Son Contest gewinnt. Und das wurde sie auch, denn Jamala erhielt sogar vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko eine Auszeichnung. Danach ging es für Jamala erstmal auf große Europa-Tour. Viele Orte in der Ukraine aber auch Vilnius, Riga und Stockholm bereiste sie und konnte die Menschen mit ihrer bedachten, ruhigen aber energischen Art begeistern. Das macht eine Heldin aus. Begeisterung.


Es war absehbar, dass Jamala nicht den Ukraine-Konflikt lösen kann, aber eins ist sicher: Ihr Sieg tat den Menschen gut. Tausende, die zu ihren Konzerten gingen, konnten den Krieg, die Armut, die Korruption vergessen. Vielleicht nur ganz kurz, aber Ablenkung bringt auch immer einen Funken Hoffnung mit sich. 


Und Jamala? Sie wird ihren Weg weiter gehen, weiter Musik machen, wie sie es schon seit vielen Jahren macht. Ich bin mir sicher, dass Jamala zur Eurovision-Ikone wird. Nicht gleich dieses oder nächstes Jahr. Aber sie wird für immer die bleiben, die mit einem derart bewegenden Song, einer derart fesselnden Art und Aura gewonnen hat.


Ми читаємо нас!
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Bilder: Instagram / jamalajaaa

29. Juni 2016

MY TOP 35 ESC-Songs EVER (2006-2016) | #Eurovision


Über einen Monat ist das Finale des diesjährigen Eurovision Song Contests schon wieder her. Jeder Eurovision-Fan kennt dieses tiefe Loch, in das man nach dem Finale fällt. Mit der ESC-Welt ist es nämlich eigentlich wie mit einem Kreislauf. Von September bis Mai bereitet man sich auf den Contest vor, lernt Künstler kennen, kämpft sich durch die Vielzahl an nationalen Vorentscheiden und kürt seine Favoriten. Im Mai dann der vorläufige Höhepunkt. Von Mai bis September ist es dann aber schlagartig vorbei mit dem Informationsrausch. Wie als würde der Wasserhahn abgestellt werden. Alle müssen sich vom Rausch erholen, aus der ESC-Bubble auftauchen - als würde sie verrückt machen, wenn man zu viel davon konsumiert.

Man könnte diesen Zustand auch als das ESC-Sommerloch bezeichnen. Damit meine Blogleser aber auch in dieser Zeit nicht auf ESC-Content verzichten müssen, habe ich meine TOP 35 Songs der Jahre 2006-2016 zusammengestellt. Eine Zeitreise, die bei mir vor allem eins enthält: Trash, Ethno-Beats und Balkan-Pop. Ich wünsche viel Spaß beim Hören und in Nostalgie schwelgen!

PLATZ 35: Elena / The Balkan Girls (Rumänien, 2009)


PLATZ 34: Karolina Goceva / Mojot Svet (Ehem. Jugoslaw. Rep. Mazedonien, 2007)


PLATZ 33: Eric Saade / Popular (Schweden, 2011)


PLATZ 32: Urban Symphony / Rändajad (Estland, 2009)


PLATZ 31: Jelena Tomašević / Oro (Serbien, 2008)


PLATZ 30: Kejsi Tola / Carry Me In Your Dreams (Albanien, 2009)


PLATZ 29: Elena Risteska / Ninanajna (Ehem. Jugoslaw. Rep. Mazedonien, 2006)


PLATZ 28: Nelly Ciobanu / Hora Din Moldova (Moldawien, 2009)


PLATZ 27: Mor Ve Ötesi / Deli (Türkei, 2008)


PLATZ 26: Hera Björk / Je Ne Sais Quoi (Island, 2010)


PLATZ 25: Ann Sophie / Black Smoke (Deutschland, 2015)


PLATZ 24: Sirusho / Quele Quele (Armenien, 2008)



PLATZ 23: Kristína Peláková / Horehronie (Slowakei, 2010)


PLATZ 22: Tina Karol / Show Me Your Love (Ukraine, 2006)


PLATZ 21: ByeAlex / Kedvesem (Zoohacker Remix) (Ungarn, 2013)


PLATZ 20: Loreen / Euphoria (Schweden, 2012)


PLATZ 19: Nadav Guedj / Golden Boy (Israel, 2015)


PLATZ 18: Lena / Satellite (Deutschland, 2010)


PLATZ 17: Alyona Lanskaya / Solayoh (Weißrussland, 2013)


PLATZ 16: Sofi Marinova / Love Unlimited (Bulgarien, 2012)


PLATZ 15: Sopho Nizharadze / Shine (Georgien, 2010)


PLATZ 14: Elina & Stig / Goodbye To Yesterday (Estland, 2015)


PLATZ 13: Dino Merlin / Love In Rewind (Bosnien & Herzegowina, 2011)


PLATZ 12: Jamala / 1944 (Ukraine, 2016)


PLATZ 11: Hadise / Düm Tek Tek (Türkei, 2009)


PLATZ 10: Sanna Nielsen / Undo (Schweden, 2014)


PLATZ 09: Magdalena Tul / Jestem (Polen, 2011)
 

PLATZ 08: Ani Lorak / Shady Lady (Ukraine, 2008)


PLATZ 07: Emmelie De Forest / Only Teardrops (Dänemark, 2013)


PLATZ 06: Kalomira / Secret Combination (Griechenland, 2008)


PLATZ 05: Alexander Rybak / Fairytale (Norwegen, 2009)


PLATZ 04: AySel & Arash / Always (Aserbaidschan, 2009)


PLATZ 03: Måns Zelmerlöw / Heroes (Schweden, 2015)


PLATZ 02: maNga / We Could Be The Same (Türkei, 2010)


PLATZ 01: Mika Newton / Angel (Ukraine, 2011)

Dieser Song ist aus persönlichen Gründen mein absoluter Lieblingssong der vergangenen Jahre. Klar, melodisch wie textlich ist dieser Popsong wirklich kein Meisterwerk, aber manchmal verbinden wir mit Musik Momente. Und mit diesem Song verbinde ich einen der prägensten Momente meines Lebens.















































































































15. Mai 2016

Das war der Eurovision Song Contest 2016 - Ein Rückblick | #ESC2016


Beschäftigt man sich mit dem Phänomen ESC ein bisschen intensiver, wird man bald feststellen, dass alles ganz schnell geht. Nicht nur, weil alles perfekt inszeniert, witzig, schön, skurril - eben einfach unterhaltend ist, sondern weil die Welt des ESC auch vom Rausch der Emotionen lebt. 
Das konnte man gestern Abend beim krönenden Finale des 61. Eurovision Song Contests in Stockholm sehr gut sehen. Ganz Europa saß vor dem Fernseher und jeder hatte eine Meinung oder einen Favoriten. Eben davon lebt der ESC, vom Austausch und vom Dialog. Sich mit den Favoriten und Geschmäckern anderer auseinander zu setzen. 
Dass es letztendlich so viele brillante und atemberaubend schöne Momente gab, lag auch am Gastgeberland Schweden, denn die bewiesen wieder einmal, dass sie es verstehen showtechnisch zu unterhalten. Damit waren nicht nur die perfekten Bühnenbilder und super Pausen-Acts, wie den Auftritt der Grey People und ihrer Darstellung der Flüchtlingsdramatik, gemeint. Mit perfekt pointiertem Humor, wie zum Beispiel von Lynda Woodruff oder Petra Mede, die den Contest auch moderierte, schafften es die Schweden ganz Europa zum Lachen zu bringen. Danke für diesen unglaublich tollen ESC, Schweden!

Justin Timerlake perfromte als Pausen-Act im Finale
The Grey People mit der Inszenierung der Flüchtlingsdramatik


Der spannenste Wettbewerb der letzten Jahre hat auch eine Siegerin hervor gebracht: Jamala aus der Ukraine konnte sich am Ende gegen die Australierin Dami Im, die das Juryvotum gewann, und Sergey Lazarev, der das Zuschauervotum gewann, durchsetzen. Am Ende passierte es genauso, wie es manche prophezeit haben: Russland und die Ukraine blieben bis zum Schluss übrig und erst im letzten Moment stand fest, dass der einfache russische Popsong nicht die kritische Elektrofolk-Ballade aus der Ukraine schlagen konnte.

"I really want peace and love to everyone"  -  Jamala

Enttäuschung machte sich vor allem bei vielen Fans breit, da das Publikumsvotum eben nicht Jamala aus der Ukraine gewann, sondern der Russe Sergey Lazarev. Und am Ende bleibt es natürlich Geschmackssache, ob man lieber zu einem Song tanzen oder weinen möchte. Eines kann man jedoch nicht leugnen: Die Botschaft, die uns Jamala mitbrachte ist ebenso brisant, wie die damals von Conchita Wurst. Herzlichen Glückwunsch an Jamala und die Ukraine, aber auch an alle anderen Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs. Danke für die Musik!

Und wie geht es jetzt weiter? Zunächst muss der Sieg erst mal verdaut werden, bevor wir unseren Blick in Richtung Osten, in die Ukraine, wenden. In einer Sache bin ich mir jedoch jetzt schon sicher: Dass die Ukraine uns 2017 mit einem vergleichbaren Niveau wie in diesem Jahr begrüßen und einladen wird.

Auch im Hinlick auf die aktuelle Situation wird sich in den kommenden Monaten viel bewegen in der Ukraine. Hoffentlich nur zum Positiven. Ich würde es mir für die Ukraine wünschen.  
Удачи Україна!

14. Mai 2016

Die FAVORITEN für das FINALE | #ESC2016


Im letzten Jahr hätte hier ein Name vollkommen ausgereicht, nämlich Måns Zelmerlöw. Er war im letzten Jahr in Wien ganz klar der Favorit, gefolgt von der Russin Polina Gagarina. Und am Ende kam es auch so: Måns kam in ganz Europa mit seiner kleinen Geschichte namens "Heroes" gut an.

In diesem Jahr gibt es keinen klaren Favoriten. Das ist einerseits für die Show ganz gut, denn so wird die Spannung bis zum letzten Moment gewahrt. Tausende Eurofans, wie ich, werden zitterdend und Daumen drückend vor den Fernsehern sitzen. Zum anderen aber für die Wetten und Fans nicht ganz so gut, denn schon seit Tagen wird heiß diskutiert, wer am Ende die vielleicht entscheidenden zwölf Punkte aus der Jury von Montenegro, oder die zehn Punkte vom georgischen Fernsehpublikum bekommt? Das sind die Anwärter_innen für die ESC-Krone heute Abend:
Russland: Sergey Lazarev / You Are The Only One 

Eine Performance, die bis zur letzten Sekunde etwas bietet und den Zuschauer mitreißt. Die Zuhörer werden dagegen etwas enttäuscht, denn der einfache Popsong hat zwar einen eingängigen Grundbeat, aber ob der ganz Europa begeistert?
 


Frankreich: Amir / J'ai Cherché

Ein singender Zahnarzt für Frankreich. Wohlgemerkt, dass er fabelhaft singen kann und auch schon viele musikalsche Erfahrungen in Frankreich sammeln konte. Seine israelischen Wurzeln könnten ihm heute zusätzlich in die Karten spielen. 

 


Schweden: Frans / If I Were Sorry

Der Gastgeber selbst wird erneut zum Favoriten. Nicht nur, weil Schweden in diesem Jahr das einzige Land der "Nordics" also der nordeuropäischen Länder im Finale sein wird, der pubertierende Frans singt sein Lied auch unglaublich toll. 



Ukraine: Jamala / 1944

Ihr Auftritt im zweiten Halbfinale war mindestens so famos wie auch umstritten. Viele Russen sehen den Song als Angriff, dabei singt Jamala nur derart gefühlvoll über ihre ganz persönliche Geschichte. Ob man das dann, wie ich, als hochemotional empfindet, weil man sich mit dem Lied identifizieren kann, oder es als negatives Mahnlied sieht - das bleibt einem selbst überlassen.



Australien: Dami Im / Sound Of Silence

Eine futuristische Performance mit Hologrammen, ein schillernden Zsa Zsa Gabor-Kleid sowie ganz viel Gefühl und Stimme erwarten uns von der megasympathischen Dami aus Australien. Wird das eine logistische Herausforderung, die ganzen ESC-Fans nach Sydney zu verschiffen!
 


Serbien: Sanja Vučić ZAA / Goodbye (Shelter)

Vielleicht nicht gerade bei den Buchmachern und den meisten ESC-Fans hoch im Kurs steht die junge Serbin mit ihrer ernsten Message des Songs. Die die Aktualität von Gewalt gegen Frauen bzw. häuslicher Gewalt aufzeigen will. Das gelingt ihr sehr passend mit angemessener Performance und einer starken Stimme. Nicht zu unterschätzen ist im Übrigen, dass der gesamte Balkan dieses Jahr teilnimmz und somit auch stimmberechtigt ist!
 


Wer gehört zu Euren Favoriten? Wer wird am Ende den Sieg holen? Ich freue mich sehr auf den heutigen Abend und wünsche allen Künstlern viel Glück! 

Wo läuft der Eurovision Song Contest im Fernsehen?  http://ethnokult.blogspot.de/2016/04/der-eurovision-song-contest-2016-im.html
© Ethnokult und so.
Maira Gall